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donaudampfschifffahrtsgesellschaft
Du sprichst glücklicherweise Deutsch, dann spar' ich mir die mühsamen Übersetzungen...

Religion ist "eine Weise menschlichen Existierens aus der Relation zu einem (nicht noch einmal zu überschreitenden und in diesem Verständnis 'letzten') Sinn-Grund, der als das schlechthin Gründende und Sinnspendende die Deutung des seienden im ganzen sowie aller Seinsbereiche betrifft".

In dieser Definition nach SCHLETTE (1963, 1165) ist der infinite Regress der empirischen Wissenschaft berücksichtigt, der besagt, dass es bei einer Ursachenforschung zu einer unendlich weiterführenden Suche nach dem eigentlichen Erst- oder Urgrund kommt. Denn man kann, wie ein kleines Kind, immer und immer wieder fragen: "Warum?", "Wieso ist das so?", "Weshalb verhält sich das so?". Die Religion beantwortet die von der Wissenschaft per definitionem nicht beantwortbare Frage nach dem "Erstbeweger", nach der Kraft, die aus dem Nichts etwas geschaffen hat.

Weiters schreibt ANZENBACHER (2010, 29) dazu: "Religion ist immer 'Bewusstsein eines bestimmen, d.h. konkreten und realen Verhältnisses des Menschen' zu einem letzten Sinn-Grund, 'des Rückverbundenen zum Rückverbindenden' (SPANN 1970, oS), also die 'existentielle  Bindung des ganzen Menschen' an diesen Sinn-Grund (RAHNER 1985, oS)". Die Religion bindet damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Menschheit an den Menschen selber und an dessen Existenz respektive Entstehung, macht sie für den Menschen überhaupt erst erfahr- und begreifbar und damit in letzter Konsequenz nutzbar. Diese Bindung ist "immer im Zeichen einer bestimmten Deutung des Menschseins und der Welt. Wir können diese Deutung im weitesten Sinne als Lehre verstehen" (ANZENBACHER 2010, 29). Damit wäre sogar die Ursprungsaussage im Eingangspost (der übrigens vermieden hat, den Herrn mit der Religionsaussage zu benennen, also keine Quellen angibt) zu argumentieren.

Was nun die Definition von Philosophie angeht: Merriam-Webster hat sich darin äußerst kurz gefasst. Ich habe hier zwei Einführungswerke zur Philosophie vor mir liegen und keines maßt sich an, dieses Gebiet in derart kurzer Prägnanz zusammenzufassen. Das eine widmet alleine der Begriffsdefinition heiße 40 Seiten, das andere begnügt sich damit, den Leser seine eigene Definition von Philosophie während des Lesens zu erfahren. Denn letzten Endes ist genau das Philosophie. Sie ist kein einfach abzugrenzender Begriff, sondern sie ist das Gebilde, das dem Menschen sein Leben erklärt. Das Konstrukt, das er sich aufbaut, um ihm einen Sinn zu geben. Einstein soll gesagt haben, Philosophie ist "wie ich die Welt sehe" (aus: HUISMAN 2004, 10), Voltaire sagt "Die Philosophie ist der Roman der Seele" (ebd.), Pascal sagt überhaupt, "Sich über die Philosophie lustig machen, heißt wirklich philosophieren" (ebd.) und wenn wir entymologisch herangehen, dann bedeutet Philosophie die "Liebe zur Weisheit" (ANZENBACHER 2010, 16). Auch eher wischi-waschi, oder?

Schon konkreter geht es bei Moral und Ethik zu, einen Begriff, den Merriam Webster fälschlicherweise der Religion zuschreibt: "Moral umfasst die jeweils für eine Gruppe geltenden Handlungsrichtlinien. Sie ist die außerwissenschaftliche Bemühung um das richtige Handeln" (WEISH 2009, 7). "Mit Moral und einzelnen Moralen befasst sich die Ethik als Wissenschaft in beschreibender und vergleichender Weise, aber auch als wertende Moralkritik", sagt TEUTSCH (1985).

Lieber Exi; betreffend der Definition von Wörtern geht es auf jeden Fall viel, viel besser als ein allgemeines Sprachwörterbuch. Seit Jahrtausenden machen sich die Menschen Gedanken über diese Themen und haben umfassende Spezialwerke dazu geschrieben. In einem wissenschaftlichen Diskurs ist es äußerst unrühmlich, sich mit Zitaten aus Überblickswerken zu rechtfertigen. Merriam-Webster mag einen guten Ruf als Wörterbuch genießen, aber es ist kein Lexikon und schon gar keine facheinschlägige Quelle.


ANZENBACHER, A. (2010): Einführung in die Philosophie, Freiburg: Herder Verlag
HUISMAN, D. (2004): Philosophie für Einsteiger, 13. Auflage. Reinbeck: Rowohlt Taschenbuch Verlag
RAHNER, K. (1985): Hörer des Wortes (J. B. Metz)
SCHLETTE, H.R. (1963): Religion, in: Lexikon f. Theol. und Kirche, Bd. 8
SPANN, O. (1963): Gesamtausgabe, 21 Bd., Bd. 16: Religionsphilosophie
TEUTSCH, G. M. (1985): Lexikon der Umweltethik. Düsseldorf.
WEISH, P. (2009): Scriptum zur Vorlesung Umweltethik, Wien: Universität für Bodenkultur. Online verfügbar: https://homepage.univie.ac.at/peter.weish/umweltethik/%2BUMWELTETHIK%20SKRIPTUM_2012.pdf
Reposted byunbill unbill

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